Wie ich Grafikdesignerin wurde

Okt 14, 2019Grafikdesign

Wer erinnert sich noch an die Freundschafts-Bücher aus der Kindheit, in die man schreiben musste, was seine Lieblingsfarben sind und welche Lehrer man am liebsten mag? Eine beliebte Frage dort war „Was ist dein Traumberuf?“. Bei mir stand dort schon früh: Grafikdesignerin! Bis dieser Traum jedoch Wirklichkeit werden konnte, mussten einige Jahre vergehen und viele Umwege gegangen werden.

Mein erstes Mural im Alter von 1,5 Jahren.

Design oder nicht sein?

Als Kind saß ich oft in meinem Zimmer und hab gemalt. Ich habe mir Szenen ausgedacht und mit meinen gezeichneten Figuren gesprochen. Überhaupt war es für mich das Schönste, mir Geschichten auszudenken und diese festzuhalten. Meine Eltern und Lehrer attestierten mir schon früh eine blühende Fantasie und ein erst kürzlich wiederentdecktes Schulheft mit einem äußerst fantasievollen Aufsatz scheint das zu bestätigen. Ich erinnere mich daran, dass ich jeden Aufsatz mit einem kunstvoll gestalteten „The End“ signierte. „Das Kreative hat sie vom Opa“ oder „Du wirst bestimmt mal Designerin“ waren Aussagen, die ich früher oft zu hören bekommen habe. Als Kind entdeckte ich auch, dass ich eine besondere Beziehung zu Farben habe. Damals wunderte ich mich nur, warum mir immer schlecht wird, wenn ich an ein dunkles Orange denke. Heute weiß ich, dass ich eine synästhetische Ausprägung habe. Und ich weiß auch, was der Beruf des Grafikdesigners bedeutet.

Aus der Traum!

Als ich älter wurde und die Berufswahl in greifbare Nähe rückte, besuchte ich 2001 eine Infoveranstaltung bei einer Hochschule für Kommunikation und Gestaltung. Ich wusste, dass ich eine Mappe erstellen muss und hatte damit bereits begonnen. Entsprechend gespannt war ich auf die Informationen, die mich dort erwarteten. Doch die Veranstaltung änderte alles. Ich wollte danach nicht mehr Grafikdesignerin werden. Denn dort wurde uns Interessierten erzählt, dass wir nach dem Studium keine Chance auf eine Anstellung hätten, dass Design ein brotloser Erwerb ist und man als Grafiker keine Zukunftsperspektive hat. Ich orientierte mich also neu. Ich wollte Architektin werden.

Das typische Ende eines Aufsatzes von mir in der 2. Klasse.

Grafikdesign hat keine Zukunft – oder doch?

Aber was ist passiert, dass ich am Schluss doch noch Grafikdesignerin geworden bin? Ganz einfach. Auch der Traum mit dem Architektur-Studium zerbrach, dieses Mal aus gesundheitlichen Gründen. Auf Baustellen weht ein rauer Wind, dem ich körperlich nicht gewachsen war. Eine Notlösung musste also her und ich machte eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Das war nicht mein Traumjob, aber er brachte mir die Chance, mich im Projektmanagement weiterzubilden und ich lernte viel über Marketing, E-Commerce und IT-Prozesse.

Überhaupt verlor ich über die Jahre meine Scheu vor der Arbeit am und mit dem Computer. Mir wurde bewusst, dass diese Art der Arbeit immer wichtiger wird, dass man sich in neue Software einarbeiten muss und wie viel Spaß das machen kann. Diese Entwicklung hatte auch die Hochschule im Jahr 2001 übersehen, als sie über den Beruf des Grafikdesigners informierte. Sie hatten, wie viele andere auch, die Zukunft des Internets unterschätzt und nicht damit gerechnet, dass es die Arbeitswelt vollkommen auf den Kopf stellen und auch die Arbeitsweise von uns Grafikern ändern wird, geschweige denn dass man sogar ortsunabhängig arbeiten kann. Als Konsequenz daraus flammte mein alter Wunsch wieder auf, Grafikdesignerin zu werden. Also schrieb ich mich für ein nebenberufliches Studium an der DIPLOMA Hochschule ein und opferte 3,5 Jahre lang meine Freizeit für den großen Traum, doch noch Grafikdesignerin zu werden.

Die Erfüllung eines Traums und gleichzeitig der Start in ein erfülltes Berufsleben: Meine Abschlussfeier nach dem Grafikdesign Studium (Bachelor of Arts).

Dream. Create. Sleep. Repeat.

Heute bin ich glücklich mit dieser Entscheidung. Denn wenn ich auf meinen Werdegang zurückblicke, durchzieht vor allem eins mein Leben wie ein roter Faden: das Erschaffen von Dingen. In meinem Berufsleben hatte ich immer dann am meisten Spaß, wenn etwas Neues entsteht und ich meinen Teil dazu beitragen kann. Dieses erfüllende Gefühl führt mich durch den Entstehungsprozess, auch wenn dieser einmal hakt und man neu beginnen muss. Aber wenn das neu Entstandene hinterher noch anderen Menschen gefällt, dann ist das die größte Motivation für mich.

Eine weitere Faszination für mich an meinem Beruf ist, dass man mit jedem Projekt etwas neues dazulernt. Manchmal muss man sich eine neue Technik aneignen oder sich mit neuen Medien wie z. B. Augmented Reality beschäftigen. Dabei gehen das ursprüngliche Handwerk, mit Papier und Stift immer noch eng mit den neuen Technologien zusammen. Was am Ende ein digitales Werk ist, beginnt oft mit einer Skizze aus Bleistift. Genau das ist auch der Grund, weshalb ich mich 2017 getraut habe und seither eigene Projekte in meiner Selbstständigkeit umsetze. Das gibt mir die Möglichkeit, mich ständig weiterzuentwickeln um für meine Kunden die besten Ergebnisse zu liefern.

Und wie ist das bei dir? Was war als Kind dein Traumberuf? Und hat es mit dem Traumberuf geklappt oder bist du jetzt in einem anderen Beruf glücklich? Deine Geschichte interessiert mich. Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. smile

2 Kommentare

  1. Carmen Hiller

    „Ich heiße Carmen Hiller und ich male und rechne gerne“ so oder so ähnlich hieß es auf einem Zettel, den ich in der Grundschule geschrieben habe. Seitdem ich einen Stift halten kann, widme ich mich mit Leidenschaft dem Malen und Zeichnen. Etwas Kreatives zu machen, stand für mich nie außer Frage. Kreativ sein ist Teil meines Wesens. Heute bin ich Grafikdesignerin und Illustratorin. Als Kind wollte ich tatsächlich zwischendurch auch einmal Artistin, Tierpflegerin und Kindergärtnerin werden. Gesundheit/Körper, Tiere/Umweld und Kinder sind witzigerweise auch heute noch meine favorisierten Themen wenn es um Gestaltung geht. Ich kann mich sehr gut hineinversetzen in deinen Traum vom eigenen Schaffen und bin ein großer Fan deiner Arbeit. Weiter so!

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    • veronika

      Wie lieb von dir! Und es ist faszinierend, dass die erste Tendenz und Leidenschaft doch diejenige ist, die sich als Konstante durchs Leben zu ziehen scheint 🙂

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